Neues Projekt: MUT für inklusive Suchtprävention

20. Juli 2026Allgemein

Im neuen Workshopangebot MUT – Meine Unabhängigkeit sprechen junge Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen offen über Konsum, Erfahrungen und den Umgang mit schwierigen Situationen. Erste Rückmeldungen zeigen, welche Themen sie besonders beschäftigen: 

„Warum sollte ich nach einem Streit einen Joint rauchen?! Das ist voll dumm – Reden ist kostenlos! Wenn ich wütend bin, gehe ich spazieren und rede dann mit der anderen Person.“

Diese Aussage stammt aus einem Workshop des neuen suchtpräventiven Angebots MUT – Meine Unabhängigkeit. Sie macht deutlich, worüber die Teilnehmenden ins Gespräch kommen: über Konsum, Beziehungen, Gefühle und den Umgang mit schwierigen Situationen. Auch andere Aussagen zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven sind: „Früher habe ich die ganze Zeit Videospiele gespielt. Aber jetzt habe ich eine Freundin und die wird traurig, wenn ich keine Zeit mit ihr verbringe.“ Oder: „Alkohol darf man ab 14 Jahren trinken?! Das ist doch viel zu früh! Man sollte es wie in Amerika machen und erst ab 21 Jahren trinken dürfen.“

In Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie führt die Fachstelle für Suchtprävention Berlin derzeit das kostenlose Angebot MUT – Meine Unabhängigkeit für junge Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen durch. Es richtet sich an 16- bis 27-Jährige aus berufsbildenden Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, aus dem (einzelnen) betreuten Wohnen sowie aus Werkstätten. Die Teilnehmenden nehmen an zwei aufeinander aufbauenden Workshops teil.

Im ersten Workshop setzen sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial auseinander. Sie sprechen über Wirkungen und Risiken, tauschen Erfahrungen aus und beschäftigen sich mit der Frage, wie sich eine Abhängigkeit entwickeln kann. Dabei wird deutlich, dass Sucht nicht durch einen einzelnen Faktor entsteht, sondern verschiedene Einflüsse zusammenspielen.

Ein wichtiger Teil des zweiten Workshops ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und möglichen Alternativen zum Konsum. Ziel ist es, die Teilnehmenden darin zu unterstützen, bewusste Entscheidungen zu treffen und auch konsumfreie Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung kennenzulernen, um so die Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

Das Projekt befindet sich derzeit in der Pilotphase und bisher haben 3 Einrichtungen und 36 junge Erwachsene seit Juni teilgenommen. Bei der Entwicklung des Angebots wurden – und werden weiterhin – die Bedarfe der Zielgruppe und der Fachkräfte ebenso berücksichtigt wie die Qualitätsstandards der Suchtprävention. Das Material arbeitet mit einfacher Sprache, wenig Text, anschaulichen Bildern und interaktiven Methoden, um den Zugang möglichst niedrigschwellig zu gestalten.

Auch nächsten Jahres werden weitere kostenlose MUT-Workshops angeboten.
Interessierte Fachkräfte und Einrichtungen können sich bei Aida Kolke, kolke@kompetent-gesund.de, melden und auf der Projektwebsite genauer informieren.

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